Vom Grantura bis zum Sagaris – die Kraftpakete aus der TVR-Schmiede
24.11.2008
Als Trevor Wilkinson seine Automanufaktur 1947 in Blackpool gründete, fügte er die drei Konsonanten seines Vornamens zu dem Markennamen TVR zusammen, der den Nerv von Liebhabern schneller Autos treffen sollte. Das von Trevor Wilkinson entwickelte Konstruktionsschema ist recht einfach: Gitterrohrrahmenchassis und Glasfaserkarosserie, die Gewicht sparen, und dazu leistungsstarke Motoren, die in den ersten Jahrzehnten von den verschiedensten Herstellern kamen, in den 90er Jahren aber auch selbst entwickelt und gebaut wurden. Dazu vereinen alle TVR-Modellreihen Technik und Schnelligkeit mit ambitioniertem Design.
Selbstverständlich behauptete sich TVR auch auf den namhaften Rennstrecken. Einer der Garanten für spektakulären Motorsport war der jetzt in der CENTRAL GARAGE zu besichtigende Tuscan Racer, der um 1990 ursprünglich für eine eigene Rennserie in Großbritannien gebaut wurde. In ebenso kleiner Stückzahl war schon 1966 sein Namensgeber entstanden, der Tuscan V8 mit Ford-Triebwerk. Entwickelt für den damaligen neuen Juniorchef Martin Lilley, der TVR zusammen mit seinem Vater Arthur übernommen hatte, stellt dieses Auto heute eine ausgesprochene Rarität dar. Etwas `zahmer` gab und gibt es diese Version noch als Tuscan V6.
Mit dem Griffith 200 zeigt die Ausstellung eine weitere Legende. Der Griffith ist eigentlich ein modifizierter Grantura, dem ersten TVR-Serienauto und in den Versionen MK 2 und MK 3 zu sehen, verfügt aber über eine geballte Macht unter der Haube: Der Amerikaner John Griffith versah ihn mit einem 4,7-Liter-V8-Motor von Ford. Nach einer Testfahrt mit dem `Kugelblitz` sagte der amerikanische Rennfahrer Marc Donnohue 1963: `Ein Motorrad mit 200 in der Steilkurve von Daytona ist nicht halb so gefährlich wie ein Griffith in der Garage.` Der Rennwagen ging in eine eigene kleine Serie von gut 300 Stück, die zu mehr als 90 Prozent in die USA exportiert wurden.
Auch den Vixen 2500, den Vater und Sohn Lilley bis 1973 für den Export in die Staaten fertigten, holen Liebhaber gerne nach Deutschland – so sie denn noch einen auftreiben können. Seine Vorgänger zählen in den Modellen S 1 und S 2 ebenfalls zu den Exponaten in der CENTRAL GARAGE. In den 70er Jahren folgte die M-Reihe, die einen stabileren und verwindungssteiferen Rohrrahmen erhielt, dargestellt an einem 2500 M, einem Taimar, dem 3000 M mit endlich einer praktischen Heckklappe, sowie dem ersten hinreißenden TVR-Roadster, der heute zu Liebhaberpreisen gehandelt wird.
`Endlich mal ein Auto, das nicht aussieht wie ein Stück Seife`, jubelte die Fachpresse, als TVR 1979 auf die Keilform um- und den Tasmin vorstellte. In Deutschland durfte er jedoch vorerst nicht fahren: Der TÜV hatte in dem geteilten Heckfenster ein unüberbrückbares Sicherheitsrisiko entdeckt. Das und die Abgasbestimmungen in den USA trieben TVR wieder einmal dem Abgrund zu.
Peter Wheeler übernahm die Firma 1982 und rettete sie. Mit Weiter- und Neuentwicklungen steigerte er den Absatz. Dargestellt wird diese Ära in der CENTRAL GARAGE u.a. mit einem 280 i, 400 SE und V8 S. Wheeler reaktivierte die runden Formen sowie die legendären Namen Griffith (1992-2002) und Tuscan (ab 1998), schuf den wohl populärsten TVR, den Chimaera, und den `schönsten Italiener, der jemals in England entwickelt wurde`, den Cerbera. Er wurde mit dem ersten TVR-eigenen V8-Motor ausgestattet.
Als Anfang des Jahrtausends der T 350 und auf seiner Basis der 380 PS starke Sagaris als Coupé – hier in der Original-Version – auf den Markt kamen, stand die TVR-Schmiede vor der vorerst letzten ihrer vielen Turbulenzen. Peter Wheeler verkaufte sie 2004 an den erst 24-jährigen russischen Multimillionär Nikolai Smolenski, der zwei Jahre später die Verlagerung der Produktion ins europäische Ausland ankündigte, dann Teile des Unternehmens verkaufte und sie während des Insolvenzverfahrens wieder zurückkaufte. Ende 2006 stellte Smolenski die Produktion ein und nahm wenige Monate später ein US-amerikanisches Unternehmen als Partner ins Boot, dem er die weltweiten Vertriebsrechte verkaufte. Seitdem ist offen, wie es mit TVR weitergehen kann und wird. Im Juli dieses Jahres wurde immerhin die Wiederaufnahme der Sagaris-Produktion angekündigt (www.tvr.co.uk/). Das erlebte TVR-Gründer Trevor Wilkinson nicht mehr. Er verstarb Anfang Juni.
Autorin des Artikels: Eva Schweiblmeier
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