DKW Ausstellung
08.09.2008
50 Jahre im Zweitakt mit DKW
Immerhin avancierte das Unternehmen 1928 zum größten Motorradhersteller der Welt. Auch der Sparte Automobil war Erfolg beschieden, obwohl DKW in den Augen der Skeptiker alles andere als fortschrittlich war: Statt des üblichen Viertakt-Motors ein Zweitakter, statt Stahlkarosserie eine aus Kunstleder bespannte Holzkonstruktion und statt des bevorzugten Hinter- den schon früh eingeführten Frontantrieb. Aber DKW-Produkte galten als zweckmäßig, zuverlässig, langlebig und leistungsfähig. Genau das demonstriert die Ausstellung `Von Des Knaben Wunsch bis zum Munga … 50 Jahre im Zweitakt mit DKW`. Konzipiert wurde sie zusammen mit dem Auto-Union-Veteranen-Club und dem DKW-Motorrad-Club. Der letzte Ausstellungstag ist der 23. November.

Mit `Des Knaben Wunsch` begann um 1917 die Fahrzeugentwicklung des 1904 gegründeten Unternehmens, das der Däne Jørgen Skafte Rasmussen erst in Chemnitz, dann in Zschopau betrieb und das Zubehör für Dampfmaschinen, Automobile, Haushaltsgeräte und anderes mehr produzierte. Beim Knaben-Wunsch handelte es sich um einen kleinen Zweitakt-Motor von 18 ccm und 0,25 PS, der als moderne Alternative zur Spielzeugdampfmaschine vermarktet wurde. Aus ihm entwickelte Rasmussen zwei Jahre später das oben genannte `Das kleine Wunder`, einen auf dem Gepäckträger montierten 1 PS starken Fahrradhilfsmotor.
1921 BEGANN DIE MOTORRADZEIT

Den `Golem` ersetzte man ob seiner unbefriedigenden Fahreigenschaften schnell durch das Sesselrad `Lomos`, das über eine zu seiner Zeit ungewöhnliche Hinterradfederung verfügte. Ende der 20er Jahre wurden u.a. die erfolgreiche E 206, die Luxus 200, die `Blutblase` genannt wurde, weil der Tank rot lackiert war, die Z 500 und die Sport 500 gebaut.
Rasmussen hatte bereits 1916 begonnen, Dampfkraftwagen zu entwickeln. Er ließ sich zu dieser Zeit auch schon die drei Markenbuchstaben DKW patentieren, doch erst 1928 brachte er den ersten Kleinwagen auf den Markt – den P 15. Bis zum Zweiten Weltkrieg folgte eine ganze Reihe von Modellen, von denen die Roadster F 1 und F 5 (F für Frontantrieb), eine im Originalzustand befindliche Limousine `Sonderklasse 1001` und die `Schwebeklasse` mit ihrer Stromlinienkarosserie in der CENTRAL GARAGE zu sehen sind.
Zu Beginn der 30er Jahre kriselte es in dem Zschopauer Betrieb wie in der Weltwirtschaft, weshalb sich Audi, DKW , Horch und Wanderer auf Betreiben der sächsischen Staatsbank zur `Auto Union` zusammenschlossen. Die vier verschlungenen Ringe des Signets sollten die unauflösbare Einheit der Gründerfirmen symbolisieren. Die einzelnen Markenbezeichnungen wurden jedoch beibehalten.
Rasmussen gehörte zunächst dem Vorstand der `Auto Union` an, schied aber wegen Differenzen bald aus. 1945 wurde die in der sowjetischen Besatzungszone gelegene `Auto Union` enteignet, führende Mitarbeiter gründeten sie in Ingolstadt und Düsseldorf neu. 1958 übernahm die Daimler-Benz AG die Mehrheit der Geschäftsanteile des Unternehmens und gliederte nach und nach die Auto Union GmbH als 100prozentige Tochter in den Konzern ein.
Gleichzeitig wurde die Motorradproduktion aufgegeben. Bis dahin entstanden die in der Ausstellung gezeigten Exponate: die RT 125/2 H und die – unrestaurierte – RT 200 H mit Hinterradfederung, die RT 175, die RT 200 VS mit Vollschwinge, die RT 250/2, die als Gespann zu sehen ist, sowie der Roller `Hobby Luxus`.
NACHKRIEGSZEIT
Den DKW-Automobilbau der Nachkriegszeit – jetzt mit drei statt zwei bzw. vier Zylindern, aber nach wie vor als Zweitakter – repräsentieren u.a. die mit einem Faltdach ausgestattete
F 91-Limousine, der F 93, die AU 1000er Reihe und zwei AU 1000 Sp, die im Gegensatz zu ihren schwesterlichen `Rundlingen` sportlich daher kamen. Natürlich ist auch der `Monza` zu sehen, der nach der italienischen Grand-Prix-Strecke benannt wurde, ebenso der legendäre `Schnell-Laster`, der Kleinwagen DKW-Junior, hier in der zweifarbigen de Luxe-Ausführung, die 1961 stolze 5300 DM kostete, und schließlich das 1963 als letztes neu auf den Markt gebrachte Modell, der F 102.

Zwischen 1964 und 1966 trat Daimler-Benz seine Aktienanteile an der `Auto Union` schrittweise an den Volkswagen-Konzern ab, der die DKWProduktion auslaufen ließ. Lediglich der Geländewagen `Munga`, den die Bundeswehr einsetzte, wurde weiter gebaut, bis die Zweitakter-Freunde 1968 endgültig den Trauerflor anlegen mussten.
Neben Autos, Motorrädern, Des Knaben Wunsch und Dem kleinen Wunder sind auch ein Stationärmotor, ein Schnittmotor, ein Außenbordmotor und eine 2-Takt-Zapfsäule zu sehen. Und `Das Kühl Wunder`: ein Kühlschrank Typ 1236 im Originalzustand.
Ab 12. Oktober wird die Ausstellung um den Bereich Motorsport erweitert. Nach und nach treffen DKW-Fahrzeuge ein, die noch im historischen Motorsport eingesetzt werden und deshalb nicht früher zur Verfügung stehen.
Die CENTRAL GARAGE erhebt auch für diese Ausstellung kein Eintrittsgeld, bittet aber wiederum um Spenden für einen sozialen Zweck. Diesmal sollen sie der `Bad Homburger Tafel` zugute kommen, die Lebensmittel an Menschen mit niedrigem Einkommen weitergibt.
Autorin des Artikels: Eva Schweiblmeier
!(bildlinks rand) (CENTRAL COURIER, u. a. zur DKW-Ausstellung)!
Diesen Artikel finden Sie neben vielen weiteren Themen im CENTRAL COURIER, erhältlich im Museum der CENTRAL GARAGE.
Wenn Sie zum Thema DKW noch mehr erfahren möchten, dann können wir Ihnen die Website von Herrn Kopmann, der aktives Mitglied des DKW Motorrad Clubs ist, ans Herz legen.
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